iL‒AKTUELL
1. April 2025
Benjamin Richter: „Zellumgebungen noch
präziser nachbilden“
Einer unserer fünf Speaker beim LIFE SCIENCE TECH DAY am 29. April ist Dr. Benjamin Richter von Nanoscribe, dem weltweit agierenden Markt‒ und Technologieführer für den 3D‒Druck im Nano‒ und Mikrometerbereich. In seinem Vortrag „3D‒Bioprinting für Organ‒on‒Chip“ zeigt der promovierte Physiker des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) auf, wie präzise sich 3D‒Mikrostrukturen direkt in mikrofluidische Chips integrieren lassen, so dass dadurch realitätsnahe Bedingungen für Zellen entstehen.
Diese Methoden eröffnen neue Wege für Anwendungen in Biotechnologie, Wirkstoffentwicklung und Organ-on-Chip-Systemen. „Mich inspiriert vor allem, wie die Kombination von Biologie, Physik und Technologie ganz konkret dazu beitragen kann, Leben zu verbessern“, sagt Richter im iL-Experten-Interview.

Herr Richter, Sie sind Life Science Application Manager von Nanoscribe und promovierter Biophysiker. Welche Motivation haben Sie, als Speaker beim InnovationLab-Workshop „Organ-on-Chip“ dabei zu sein?
Benjamin Richter: Als Biophysiker fasziniert mich besonders, wie Technologien das Potenzial haben, die Lebenswissenschaften verändern zu können. Organ‒on‒Chip ist dabei ein besonders spannendes Feld, weil damit biologische Prozesse direkt im Labor realitätsnah nachgebildet werden können. Bei Nanoscribe entwickeln wir innovative 3D‒Druckverfahren, mit denen diese Chipsysteme noch präziser und vielseitiger hergestellt werden können. Als Referent beim InnovationLab‒Workshop möchte ich unser Know‒how weitergeben, zeigen, was fertigungstechnisch im Nano‒ und Mikrometerbereich möglich ist, neue Impulse geben und zugleich erfahren, welche Herausforderungen andere Forscher aus Wissenschaft und Industrie beschäftigen. Gemeinsam können wir so die Zukunft der personalisierten Medizin entscheidend mitgestalten.
Warum ist das Thema OoC aus Ihrer fachlichen Perspektive der Mikrofabrikation, Biofunktionalisierung und der 3D‒Mikrostrukturen gerade jetzt so relevant?
Richter: Organ‒on‒Chip (OoC) ist derzeit ein besonders vielversprechendes Thema, da wir heute technisch in der Lage sind, biologische Systeme naturgetreuer als je zuvor nachzubilden. Mit Hilfe moderner 3D‒Mikrofabrikation lassen sich feinste Strukturen fertigen, die exakt die Umgebung menschlicher Zellen und Gewebe simulieren. Zusätzlich können wir diese Strukturen gezielt biofunktionalisieren, um biologische Prozesse authentisch abzubilden. So lassen sich Arzneimittelwirkungen besser vorhersagen, Tierversuche reduzieren und die personalisierte Medizin vorantreiben. Diese Kombination aus Mikrofabrikation und Biofunktionalisierung macht OoC zu einem entscheidenden Baustein für zukünftige medizinische Innovationen.
Entwickelt innovative Anwendungen: Dr. Benjamin Richter ist Application Manager Life Science bei Nanoscribe. Bild: Nanoscribe
„Druckprozesse weiter optimieren“
Welche technologischen Herausforderungen müssen im 3D‒Bioprinting und im Kontext von OoC noch gemeistert werden?
Richter: Eine zentrale Herausforderung im 3D‒Bioprinting für Organ‒on‒Chip besteht darin, Zellumgebungen noch realistischer und präziser nachzubilden. Dafür müssen Druckprozesse weiter optimiert werden, um biologische Materialien und lebende Zellen präzise, schnell und schonend zu verarbeiten (Bioprinting). Ein weiterer Knackpunkt ist die langfristige Stabilität und Funktionalität der gedruckten Gewebe, denn diese sollen biologische Prozesse über längere Zeit zuverlässig simulieren. Außerdem besteht noch großer Bedarf, Materialien zu entwickeln, die sowohl biokompatibel sind als auch optimale mechanische und chemische Eigenschaften besitzen. Nur so schaffen wir letztlich Systeme, die menschliche Organe zuverlässig nachahmen und damit medizinisch nutzbar sind.
Gibt es erfolgreich umgesetzte Anwendungen von OoC in der Industrie und im Klinikalltag?
Richter: Ja, es gibt bereits erste erfolgreiche Anwendungen, auch wenn der Großteil sich noch in der Grundlagenforschung abspielt. Unternehmen nutzen Organ‒on‒Chip‒Systeme schon heute, um Medikamentenwirkungen und nebenwirkungen schneller und präziser vorherzusagen. Zum Beispiel kommen Leber‒ oder Herzchips zum Einsatz, um Medikamente frühzeitig auf Toxizität zu testen und Entwicklungszeiten erheblich zu verkürzen.
https://www.merckgroup.com/de/research/science‒space/envisioning‒tomorrow/precision‒medicine/organ‒on‒a‒chip.html
Leitet Projekte: Benjamin Richter im Gespräch mit Fachkollegen. Ihn inspiert die interdisziplinäre Zusammenarbeit, aus der regelmäßig neue Perspektiven und Erkenntnisse hervorgehen. Bild: Nanoscribe
Was inspiriert Sie persönlich bei diesem Thema?
Richter: Mich inspiriert vor allem, wie die Kombination von Biologie, Physik und Technologie ganz konkret dazu beitragen kann, Leben zu verbessern. Persönlich begeistert mich die interdisziplinäre Zusammenarbeit, bei der wir immer wieder neue Ideen aus unterschiedlichsten Perspektiven entwickeln. Zu sehen, wie unsere Arbeit direkte Auswirkungen auf die Gesundheit von Menschen haben kann, motiviert mich jeden Tag aufs Neue. Genau hier zeigt sich für mich der eigentliche Sinn von Forschung und Innovation.
Nanoscribe kann auf über 5.500 aktive Anwender in rund 30 Ländern weltweit zählen. Wie hoch ist dennoch Ihr regionaler Netzwerkbedarf beim iL‒Workshop?
Richter: Obwohl Nanoscribe international sehr gut vernetzt ist, ist auch der Zugang zu bestimmten Forschungscluster und themen wichtig. Daher ist auch der regionale Austausch mit dem InnovationLab und dieser Workshop besonders wertvoll. Gerade beim komplexen Thema Organ‒on‒Chip profitieren wir enorm davon, direkte Kontakte zu im Thema führenden Forschungseinrichtungen, Kliniken und Industriepartnern aus der Region zu knüpfen. Diese Nähe ermöglicht es, gemeinsame Projekte schneller umzusetzen, direktes Feedback einzuholen und technologische Lösungen gezielt weiterzuentwickeln. Zudem stärkt ein regionales Netzwerk den Innovationsstandort insgesamt und erleichtert den schnellen Transfer neuer Technologien in den praktischen Einsatz. Regionale Vernetzung ist für uns also nicht nur Ergänzung, sondern wichtiger Baustein für erfolgreiche Innovation. Ich persönlich halte auch noch einen engen Kontakt zu meinem Doktorvater Prof. Dr. Martin Bastmeyer und tausche mich regelmäßig mit ihm aus.
Zur Person
Dr. Benjamin Richter ist Application Manager Life Science bei Nanoscribe, dem Pionier und führenden Anbieter im Bereich der hochpräzisen additiven Fertigung. Richter promovierte als Physiker am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Seine interdisziplinäre Arbeit über die selektive Biofunktionalisierung dreidimensionaler Mikrostrukturen fertigte er in den Arbeitsgruppen von Prof. Dr. Martin Wegener, Prof. Dr. Martin Bastmeyer und Prof. Dr. Christopher Barner‒Kowollik an und seine wissenschaftlichen Veröffentlichungen wurden bereits über 2.000 Mal zitiert.
In seiner aktuellen Position bei Nanoscribe leitet er Projekte, um innovative Anwendungen im Bereich Life Science zu entwickeln, insbesondere rund um das Thema Organ‒on‒Chip. Dabei verbindet er sein Wissen aus Biologie, Physik und Mikrostrukturierung, um Technologien für Industrie und Forschung zugänglich zu machen. Sein Ziel ist es, mit interdisziplinären Ansätzen Lösungen zu schaffen, die Medizin und Forschung nachhaltig voranbringen.
Über Nanoscribe
Nanoscribe ist Pionier und Marktführer im Bereich der hochpräzisen additiven Fertigung. Das mittelständische Unternehmen entwickelt und produziert 3D‒Drucker und Graustufenlithografie‒Systeme sowie speziell entwickelte Druckmaterialien und anwendungsspezifische Lösungen für Mikrofabrikationsanwendungen auf der Nano‒, Mikro‒ und Mesoskala. Nanoscribe wurde 2007 als Spin‒off des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) gegründet und ist seit Dezember 2024 Teil der Lab14 Group.
Mehr als 5.500 Anwender an Spitzenuniversitäten und innovativen Unternehmen weltweit profitieren von der bahnbrechenden Technologie und den anwendungsspezifischen Lösungen für die 3D‒Mikrofabrikation.
Informationen zum LIFE SCIENCE TECH DAY
Weitere Informationen zum Ablauf und zur Anmeldung gibt es auf unserer Webseite unter
https://www.innovationlab.de/life‒science‒tech‒day‒2025
Die Registrierung endet am 22. April, eine Woche vor dem Workshop am 29. April. Für Catering ist in den Räumlichkeiten „iL.Connect.Space“ von InnovationLab gesorgt.
Joachim Klaehn
Head of Communications
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