iL‒AKTUELL
25. Februar 2026
Dr. Hossein Eslami Amirabadi: „Das reale Marktproblem zu verstehen, ist eine Kunst“
In seinem Vortrag „Skalierbare Plattform für Zellkulturen unter physiologischen Flussbedingungen“ spricht Dr. Hossein Eslami Amirabadi auf dem Forum GENESIS 26The LIFE SCIENCE TECH DAY am 12. März (über innovative Ansätze zur Weiterentwicklung präklinischer Zellmodelle. Im iL-Experteninterview gibt der Wissenschaftler und Unternehmer, Mitbegründer und Chief Technology Officer (CTO) des Start-ups und der Zellkultur-Plattform ARTIC Technologies aus Eindhoven/Niederlande, vielfältige Einblicke in seine Technologie, unternehmerische Entscheidungen und Herausforderungen an der Schnittstelle von Forschung und Markt.
Dr. Hossein Eslami Amirabadi von ARTIC Technologies aus den Niederlanden. Bild: ARTIC Technologies
Fünf Fragen an … Hossein Eslami Amirabadi
Herr Amirabadi, ARTIC Technologies ist ein Spin-off der Eindhoven University of Technology. Was war der kritischste Schritt von der akademischen Forschung hin zu einem marktfähigen Life-Science-Produkt?
Hossein Eslami Amirabadi: Eine Lizenzvereinbarung mit der Universität ist immer eine Herausforderung, aber für mich war die wichtigste Frage die Auswahl der ersten Anwendung und des Marktes für den Start eines technologiegetriebenen Unternehmens. Einerseits muss man das Potenzial der eigenen Technologie sehr gut kennen, andererseits muss man die Probleme in einem bestimmten Markt verstehen, die groß genug sind. Gleichzeitig muss man bewerten, ob die eigene Technologie diese Probleme tatsächlich lösen kann.
Welche technologische Kerninnovation von ARTIC verschafft Ihnen aktuell den größten Wettbewerbsvorteil?
Amirabadi: Ein skalierbares Modell zur Kultivierung und Testung verschiedener Zellmodelle unter physiologischem Fluss. Wir wissen, dass physiologischer Fluss in vielen Gewebemodellen relevant ist und die Vorhersagekraft dieser Modelle verbessert. Allerdings sind bestehende Systeme mit relevantem Fluss komplex in der Anwendung und nicht mit den alltäglichen Arbeitsabläufen in Industrie und Wissenschaft kompatibel. Das hat zu einer geringen Verbreitung von Organ-on-Chip-Systemen geführt. ARTIC erzeugt physiologischen Fluss in herkömmlichen Zellkultur-Mikrotiterplatten, ohne deren Format oder Handhabung zu verändern. Dies ermöglichen wir durch unsere proprietäre Technologie namens Magnetic Artificial Cilia.
„Wir sind technologiegetrieben“
Sie verantworten sowohl die technologische Entwicklung als auch die Marktstrategie. Wo liegen denn die größten Spannungsfelder zwischen technologischer Exzellenz und erfolgreicher kommerzieller Umsetzbarkeit?
Amirabadi: Sehr gute Frage! Wir sind technologiegetrieben, und als Wissenschaftler möchte man sich oft selbst davon überzeugen, dass bestimmte Probleme existieren – eine Art Bestätigungsbias, der dazu führen kann, dass man nicht die ganze Wahrheit hört. Kommerzielle Tragfähigkeit bedeutet jedoch, vom Problem auszugehen und zu prüfen, ob man eine einzigartige Lösung anbieten kann, die sonst niemand anbietet. Wir haben bereits zwei Pivot-Schritte gemacht und stehen weiterhin im engen Austausch mit Endanwendern, um zu prüfen, ob unsere Lösung deren Probleme tatsächlich löst. Wir sehen bereits, dass frühe Entscheidungen in der Technologieentwicklung einen enormen Einfluss auf die spätere Akzeptanz haben können. Deshalb haben wir schon früh – noch vor der weiteren technologischen Entwicklung – unsere Ideen von Experten und Industrievertretern kritisch hinterfragen lassen. Wir haben versucht, offen zu bleiben und ausschließlich den Problemen zuzuhören. Das reale Marktproblem zu verstehen und sich objektiv zu fragen, ob man es lösen kann, ist eine Kunst.
Das engagierte Team von ARTIC Technologies, in der Mitte: Mitbegründer und CTO Dr. Hossein Eslami Amirabadi. Bild: ARTIC Technologies
Welche Rolle spielen Industriepartner, aber auch vor allem eine Institution wie Health Holland aus Den Haag, für den Entwicklungsprozess Ihres Start-ups?
Amirabadi: Eine sehr große Rolle. Wir haben das Glück, in den Niederlanden zu sein, wo es viel systematische staatliche Unterstützung gibt, und Health Holland ist dabei ein Vorreiter. Sie prägen die strategische Ausrichtung unseres Unternehmens maßgeblich. Auch andere Partner spielen eine wichtige Rolle, darunter Endanwender (Pharmaunternehmen, Biotech-Firmen und CROs) sowie Fertigungspartner. Zudem profitieren wir davon, in der Region Eindhoven – der sogenannten Brainport-Region – angesiedelt zu sein, die über eine starke Fertigungsindustrie verfügt.
Sie sind Speaker in der Session zu den innovativen Materialien bei GENESIS 26. Welches Ergebnis und welche neuen Kontakte wünschen Sie sich für ARTIC?
Amirabadi: Ich hoffe auf industrielle oder akademische Partner, die unseren Prototyp in ihren Laboren testen möchten. Außerdem möchte ich Wissenschaftler kennenlernen und von den Herausforderungen hören, mit denen sie in ihren Unternehmen oder Arbeitsgruppen konfrontiert sind.
Zur Person
Dr. Hossein Eslami Amirabadi von ARTIC Technologies ist Wissenschaftler und Unternehmer mit dem Ziel, akademische Lösungen in wirkungsvolle Produkte zu überführen. Er interessiert sich für interdisziplinäre Zusammenarbeit, denkt strategisch, arbeitet an mikrophysiologischen Systemen und bringt Ausdauer sowie positive Energie in sein Team ein.
Über ARTIC Technologies
ARTIC Technologies ermöglicht es Forschenden, verbesserte Zellmodelle für die präklinische Wirkstoffforschung zu entwickeln. Das erste Produkt ist eine skalierbare Zellkultur-Mikrotiterplatte mit physiologischem Fluss, ausgestattet mit der patentierten Technologie „Magnetic Artificial Cilia“, entwickelt an der Technischen Universität Eindhoven durch Professor Jaap den Toonder.

Das Interview führte Joachim Klaehn
Event-Details
GENESIS 26 The LIFE SCIENCE TECH DAY
Thema:
„Entwicklung der nächsten Generation von Plattformen für Krankheitsmodellierung und Wirkstofftests“ (Engineering Next‒Generation Platforms for Disease Modeling and Drug Screening)
Hinweis:
GENESIS 26 The LIFE SCIENCE TECH DAY wird in englischer Sprache stattfinden
Wann?
Donnerstag, 12. März 2026 (9.30 17.00 Uhr)
Wo?
FRAUENBAD im Alten Hallenbad von Heidelberg, Bergheimer Straße 45, 69115 Heidelberg
Teilnahmegebühr:
70,00 Euro
Ansprechpartner:
Dr. Reza Taale, Cluster Manager, Tel.: +49 (0) 157 806 444 92, E‒Mail: reza.taale@innovationlab.de

Dr. Kerstin Zyber‒Bayer
Senior Manager Strategic Marketing & Communications
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