iL‒AKTUELL
8. Januar 2026
Michael Kröger: „2026 Zukunft entsteht durch Zusammenarbeit“
Nach einem Jahr 2025 voller prägender Meilensteine, technologischer Fortschritte und wachsender Resonanz richtet InnovationLab gemeinsam mit seinem Spin‒off FLEXOO den Blick nach vorne. 2026 steht im Zeichen von Skalierung, neuer Partnerschaften und dem Anspruch, gerade in einem krisenhaften Umfeld konkrete Lösungen zu liefern von Krebsdiagnostik und Precision Medicine bis hin zu Clean Tech und „Physical AI“. Dr. Michael Kröger, Geschäftsführer von iL und FLEXOO, erläutert in unserem Interview, warum die kommenden Monate richtungsweisend sind, wie Innovation auch unter schwierigen Rahmenbedingungen gelingt und welche Rolle vernetzte Ökosysteme dabei spielen.

Herr Kröger, was waren 2025 aus Ihrem Blickwinkel die wichtigsten Highlights und Meilensteine für InnovationLab?
Michael Kröger: Die Highlights in meinem iL‒Kalender sind sicherlich die Flagship‒Events LIFE SCIENCE TECH DAY und CLEAN TECH INNOVATION DAY & SOLAR TAP INDUSTRY DAY. Das sind Tage, auf die das gesamte Team sich wochenlang fokussiert vorbereitet und wo wir von Sprechern und Teilnehmenden eine Super‒Resonanz erhalten haben. Das freut mich dann umso mehr, weil sich hier Erfolg nicht nur messen, sondern im Team wahrnehmen lässt. Nachhaltige Highlights, die jeden Tag wirken, sind die Ansiedlung neuer wissenschaftlicher Nachwuchsgruppen der Universität Heidelberg, insbesondere das Projekt POEM geleitet von Dr. Ramsay Najim (gemeinsam mit DKFZ und Uni‒Klinikum) und die Arbeitsgruppen von Dr. Simon Binder und Dr. Murat Karabas des KIT. Diese schaffen einen echten Mehrwert durch zusätzliche Kooperationsmöglichkeiten für die etablierten Wissenschaftler und Arbeitsgruppen, zum Beispiel von Prof. Gerardo Hernandez‒Sosa, Prof. Christine Selhuber‒Unkel und Prof. Yasmin Aghassi. Zusätzlich haben wir weitere Industrie‒Partner und Start‒ups für den Standort gewinnen können.
FLEXOO: Richtig ins Zeug gelegt
Und für FLEXOO?
Kröger: FLEXOO ist mutig vorangeschritten und hat sich in 2025 zu einem wichtigen Technologieanbieter im Bereich der Batteriespeichersysteme entwickelt. Führende Hersteller aus Asien und den USA haben die FLEXOO‒Sensor‒Systeme für mehr Sicherheit und Kosteneffizienz validiert und alle Teams bei FLEXOO haben sich richtig ins Zeug gelegt, damit sich FLEXOO im Marktumfeld etabliert, ja sogar internationale Preise gewinnt. Das Technologie‒Team hat die verlässlichsten und genausten flexiblen Sensoren, die es weltweit zu kaufen gibt, entwickelt, das Operations‒Team diese in Rekordzeit auf eine Rolle‒zu‒Rolle‒Massenfertigung skaliert, und Marketing und Vertrieb sorgen jeden Tag dafür, dass internationale Kunden uns finden und unseren Sensoren vertrauen. Da ist viel Blut, Schweiß und Begeisterung reingeflossen. Gleichzeitig ist das nur die nach außen sichtbare Spitze eines Riesenpotenzials. Aber es macht Spaß, diese Spitze jeden Tag wachsen zu lassen.
iL‒ und FLEXOO‒Geschäftsführer Dr. Michael Kröger blickt optimistisch nach vorne: Ich merke, wie die neuen Flächen unserem Anspruch, eine Plattform fürs vernetzte Zusammenarbeiten zu sein, entsprechen.“ Bild: Lukas Adler
Welche Entwicklungen oder auch Ereignisse haben 2025 besonders geprägt extern und intern?
Kröger: Aus Sicht des InnovationLab ist ist sicher der Umzug ins 4. OG eine nachhaltig wirkende Entwicklung. Anlass für den Umzug war, dass wir Platz für neue Partner schaffen mussten, so dass wir zusätzliche Büro‒ und Co‒Working‒Spaces im 4. OG erschlossen haben. Ich merke, wie die neuen Flächen unserem Anspruch, eine Plattform fürs vernetzte Zusammenarbeiten zu sein, entsprechen. Das ist eine positive Veränderung, die ich jeden Tag wahrnehme und die jeden Tag auch gespiegelt wird. Bei den wesentlichen Entwicklungen und Ereignissen spielt sicher auch eine Zunahme an Unsicherheit im wirtschaftlichen und politischen Umfeld eine Rolle. Eine schlechte gesamtwirtschaftliche Lage, Unsicherheit und Entscheidungsschwäche in der Politik und eine zunehmende Polarisierung global wie national verändern die Bedingungen, unter denen wir Innovation schaffen. Letztlich ist dies aber eine Marktumfeld mit dem alle umgehen müssen. Und wir nehmen es an und meistern es, um in einem krisenbehafteten Umfeld Lösungen anzubieten. Dafür schätzen uns unsere Partner! Für mich ist das der einzige Weg vorwärts.
Apropos vorwärts, apropos Chancen für 2026: Wo lässt sich hier der Hebel für eine vielversprechende Zukunft ansetzen?
Kröger: In der Krise Chancen zu finden und Lösungen bereitzustellen. Wir spüren Sand im Getriebe, wirtschaftlich, aber auch gesellschaftlich. Hier bieten wir einen Ort an, wo sich Innovation kostengünstiger, schneller und risikoärmer und gleichzeitig eine Erfahrung des Zusammenarbeitens umsetzen lässt. Für InnovationLab bedeutet dies, dass wir neue und starke Partner mit unseren bestehenden Partnern zusammenbringen werden, um rascher und schneller im Bereich neuartiger Technologien für Krebs‒Diagnostik und Therapie voranzukommen, und um „Clean Tech“ kostengünstiger zu machen, so dass es fossile Systeme schlägt und wir mehr Unabhängigkeit und Resilienz in der Energieversorgung und Basis‒Industrie erlangen. Für FLEXOO ist genau 2026 das Jahr, in dem sich kostengünstige „Überall‒Sensorik“ einsetzen lässt, um „Physical AI“‒Anwendungen zu realisieren: In Batterien, in Produktionsanlagen, in der Automatisierung. Überall dort braucht es mehr als nur Sensoren. Es benötigt ein zentrales Nervensystem, was nicht Messdaten, sondern qualifizierte Informationen an Steuerungssysteme liefert. Wir sehen schon, wie das Thema humanoide Robotik zum Jahresstart auf der CES sehr präsent ist. Dieses und das kommende Jahr werden entscheidend sein und dort werden Champions gemacht. Mein Ehrgeiz und unsere Arbeit sind voll darauf ausgerichtet, dass FLEXOO dabei sein wird.
Bessere Bedingungen für Start‒ups
Wie würden Sie den Status quo der Zusammenarbeit mit den Partnern aus Wissenschaft, Start‒ups und Industrie charakterisieren?
Kröger: Oberflächlich bieten stagnierende oder schrumpfende Mittel für externe Zusammenarbeit in der Wirtschaft ein engeres Korsett und geringere Handlungsfähigkeit bei öffentlicher Forschungsfinanzierung, und gleichermaßen ein schwieriges Marktumfeld für große Unternehmen, in Innovation zu investieren und für Start‒ups Investoren zu finden. Wir sehen das insbesondere in der Zusammenarbeit mit großen Unternehmen, die aktuell sehr auf Sicht fahren. In der Wissenschaft sehe ich einen großen Treiber und eine große Motivation, wissenschaftliche Exzellenz in Innovation und wirtschaftliche Anwendung zu transferieren. Wenn große Unternehmen sich stärker aus Frühphasen‒Innovation zurückziehen, gehen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit einem verstärkten Interesse und Ehrgeiz an die Gründung von Start‒ups und suchen Hubs zu Kooperation, um schneller voranzukommen. Wir kooperieren hier mit mehreren Partnern auf Veranstaltungen, aber auch informell, wie zum Beispiel bioRN, NXTGN oder die PALATINA Business Angels Rhein‒Neckar, um Start‒ups in Heidelberg und der Metropolregion noch bessere Bedingungen zu bieten und bei der Anzahl und Qualität von Start‒ups weiter vorne zu sein.
Welchen Einfluss haben neue Technologien und Trends auf die Technologietransfer‒Plattform iL?
Kröger: Eine neue Technologie muss sich in der Anwendung beweisen. Je nach Umfeld kann eine solche Umsetzung 15 Jahre dauern oder aber es wird in kürzerer Zeit klar, ob es sich um ein Top‒ oder Flopthema handelt. Daher ist es wichtig, dass sich InnovationLab permanent wandelt. Dabei geht es InnovationLab nicht darum, Technologien zu besitzen, sondern seinen Partnern eine Plattform zu bieten, auf denen neue Technologien schnell entwickelt und validiert werden können. InnovationLab setzt dort Schwerpunkte, wo neue Lösungsansätze dringend benötigt werden und eine ausdauernde Anstrengung erforderlich ist, um die richtigen Technologien zu entwickeln, zu validieren und zu skalieren. Häufig sind diese aber komplex und kompliziert in der Umsetzung und benötigen mehrere technologische wie kommerzielle Partner. Ein solches Feld sehen wir im Bereich der Hochdurchsatz‒Medikamenten‒Forschung, Schlagwort Precision Medicine. Technologien, die unsere Partner in den Fokus nehmen, sind Organoide und Organ‒on‒Chip‒Technologien neue Materialien, neue Bauteile und Verfahren und eine starke Nutzung von künstlicher Intelligenz, um etwa Onkologie treffsicherer und kostengünstiger zu machen. Ziel ist es, neue Werkzeuge im Kampf gegen den Krebs zu entwickeln. Wie ich finde, ist das zweifellos ein wichtiges Ziel und eine motivierende Aufgabe.
Netzwerker par excellence: Michael Kröger mit Teilnehmenden beim CLEAN TECH INNOVATION DAY & SOLAR TAP INDUSTRY DAY am 15. Oktober 2025 im Heidelberg Congress Center. Bild: Lukas Adler
Den Wandel aktiv gestalten
Und welches Alleinstellungsmerkmal hat FLEXOO als Spezialist in Sachen flexibler Sensoren?
Kröger: Es gibt in diesem Bereich kein Unternehmen, das eine solch performante Gesamtlösung, bestehend aus flexiblen gedruckten Sensoren, Elektronik als Schnittstelle und Software, auf dem Markt anbietet. Mit leistungsfähig meine ich auf der einen Seite die Genauigkeit und Verlässlichkeit der Sensoren, zum Beispiel unsere Prime Mode Sensoren, und auf der anderen Seite die Variabilität, auf einer Plattform‒Lösung unterschiedliche Parameter wie Druck, Temperatur, Feuchte, Gasdetektion etc. unterzubringen. Hinzu kommt, dass das Team allein im letzten Jahr 15 Erfindungen zur Anmeldung gebracht hat, so dass der technologische Vorsprung noch wächst. Jetzt geht FLEXOO in die Skalierung und hat die Produkt‒Technologie auf eine extrem wettbewerbsfähige Rolle‒zu‒Rolle‒Produktion übertragen.
Größer und ganzheitlicher gedacht: Welche Hoffnungen und Erwartungen haben Sie für die Zukunft des Innovationsökosystems in der Metropolregion und welche Rolle kann hier iL einnehmen?
Kröger: Baden‒Württemberg und auch die Metropolregion befinden sich in einem Umbruch. Traditionelle Industrien und Technologien stehen unter Druck wie etwa die Chemische Industrie beziehungsweise werden verschwinden wie beispielsweise PKWs mit Verbrennungsmotoren. Wir müssen diesen Wandel aktiv gestalten und nicht an alten Gewiss‒ und Gewohnheiten festhalten, wenn wir unseren Wohlstand wahren und gesellschaftlichen Zusammenhalt wieder stärken wollen. Innovationsgeist und freude entsteht dann, wenn Erkenntnis von der Wissenschaft in die praktische Umsetzung übertragen wird. Da haben wir in der Metropolregion eine enorme Dichte und kurze Wege. Neue Technologien müssen dabei den Menschen dienen auch den Menschen in der Metropolregion und Probleme lösen. InnovationLab hilft dabei, aus Erkenntnissen Lösungen zu bauen und diese zu skalieren. Unsere neue Zielrichtung bringt Wissenschaftler, Mediziner, Ingenieure, Unternehmertypen insbesondere an der Schnittstelle, Materialien, Medizin und KI zusammen, um hier Problemlösungen zu entwickeln und dann schlussendlich zu vermarkten. Dabei bauen wir auf das, was wir im Bereich Innovationsmanagement und Technologie‒Transfer in mehr als 15 Jahren gelernt und bewiesen haben, sehen uns aber grundsätzlich in einem starken Ökosystem mit kompetenten Partnern und Institutionen. Zukunft entsteht durch Zusammenarbeit.
Letzte Frage: Was genau würden Sie sich von der Politik der Merz‒Regierung in Berlin wünschen, um die deutsche Wirtschaft in Schwung zu bringen?
Kröger: 2026 ist eine neue Chance, alles richtig zu machen. Entscheidungen zu treffen. Jeden Tag. Zum Wohle des Landes und seiner Menschen. Wer das als Regierung macht und sich nicht von Populismus, Opportunismus und Verlustängsten treiben lässt, macht alles richtig.
Michael Krögers Wunsch für 2026 an die Politikverantwortlichen in Deutschland ist es, dass Entscheidungen zum Wohle des Landes und seiner Menschen getroffen werden, derweil Populismus, Opportunismus und Verlustängste keine Rolle spielen dürfen. Bild: Lukas Adler
Joachim Klaehn
Communications
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