iL‒AKTUELL
3. März 2026
Dr. Hinnerk Oßmer: „Miniaturisierte Fluidik ermöglicht kostengünstigere Geräte“
Auf dem Forum GENESIS 26The LIFE SCIENCE TECH DAY wird Dr. Hinnerk Oßmer, Mitgründer und Geschäftsführer von memetis – 2017 aus dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ausgegründet – über „Schrumpfende Fluidik, wachsende Möglichkeiten: Integrierte Systeme für Zellkultur und Diagnostik“ sprechen. Damit adressiert Oßmer eine zentrale Frage der Life-Science-Technologien: Wie lassen sich leistungsfähige Laborfunktionen kompakt, energieeffizient und direkt am Point of Need verfügbar machen? Im gemeinsamen Vortrag mit memetis-Kollegin Dr. Anna Vidina wird aufgezeigt, wie extreme Miniaturisierung und intelligente Materialien die Automatisierung komplexer mikrofluidischer Prozesse ermöglichen – von stabilen Zellkulturen bis hin zu integrierten Diagnostiksystemen.
Dr. Hinnerk Oßmer von memetis. Bild: memetis
Fünf Fragen an … Hinnerk Oßmer
Herr Oßmer, Technologie auf engstem Raum. Welche konkreten Probleme in den Life Sciences kann die memetis GmbH durch die extreme Miniaturisierung tatsächlich lösen?
Hinnerk Oßmer: Wir ermöglichen die Automatisierung komplexer mikrofluidischer Aufgaben wie die Aufrechterhaltung stabiler Zellkulturbedingungen, die Steuerung der Perfusion in Organ-on-Chip-Systemen oder die Durchführung mehrstufiger Probenaufbereitung und -analyse innerhalb von Einwegkartuschen. Dank extremer Miniaturisierung passen komplette Fluidiksysteme in Inkubatoren, Mikroskopie-Setups oder kompakte Tisch- und Handgeräte. Dadurch wird Funktionalität direkt an den Point of Need gebracht, während Totvolumina, Reagenzienverbrauch und der gesamte System-Footprint deutlich reduziert werden.
Das Deep-Tech-Unternehmen memetis ist eine Ausgründung des KIT. Was waren die größten technischen wie unternehmerischen Herausforderungen für Ihr Start-up auf dem Weg vom Prototypen hin zur industrialisierbaren Technologie?
Oßmer: Formgedächtnislegierungs-(FGL)-Aktoren – das Rückgrat unserer kompakten Fluidiklösungen – basieren auf einer unkonventionellen Smart-Material-Technologie. Technisch bestand eine unserer größten Herausforderungen darin, eine zuverlässige Lieferkette für hochwertige FGL-Materialien aufzubauen und Laborprototypen in industriell robuste Komponenten zu überführen, die Millionen von Schaltzyklen zuverlässig bewältigen können. Unternehmerisch mussten wir den Markt von den besonderen Vorteilen FGL-basierter Ventile gegenüber konventionellen Magnetventilen überzeugen: extrem kompakte Bauweise, geringer Energieverbrauch, geräuschloser Betrieb und pulsationsfreie Durchflussregelung – allesamt hochrelevant für Life-Science-Instrumentierung.
Mikrofluidische Systeme sind von großem Nutzen bei medizinischen Tests. Bild: memetis
„Experimente drastisch beschleunigen“
Worin sehen Sie brandaktuell das größte Potenzial mikrofluidischer Systeme – sowohl in der Forschung als auch im Segment der Life Sciences?
Oßmer: In der Forschung werden automatisierte und parallelisierte mikrofluidische Systeme Experimente drastisch beschleunigen und die Generierung hochwertiger, reproduzierbarer Datensätze unter streng kontrollierten Bedingungen ermöglichen. Besonders relevant ist dies für Organ-on-Chip-Plattformen, zellbasierte Assays und fortgeschrittene analytische Workflows. In industriellen Life-Science-Anwendungen ermöglicht miniaturisierte Fluidik intelligentere, kompaktere und kostengünstigere Geräte. Diagnostik- und Analysesysteme werden sich zunehmend von zentralisierten Laboren in dezentrale Umgebungen verlagern – etwa in Arztpraxen, Apotheken oder mobile Testeinrichtungen.
Was ist an der Schnittstelle von Mikroengineering, Biologie und Medizin für ambitionierte Gründerinnen und Gründer alles in Sachen Innovation möglich?
Oßmer: An der Schnittstelle von Mikrotechnik, Biologie und Medizin sehe ich besonders großes Innovationspotenzial in drei Bereichen: Erstens: Die Demokratisierung komplexer mikrofluidischer Workflows wie PCR oder Gen-Editierung durch robuste, automatisierte und breit zugängliche Lösungen. Zweitens: Personalisierte Diagnostik und Wirkstoffentwicklung, die auch für seltene Erkrankungen bezahlbare und skalierbare Lösungen ermöglichen. Drittens: Die Konvergenz von Mikrofluidik und digitalen Technologien – einschließlich künstlicher Intelligenz – um aus komplexen biologischen Daten aussagekräftige Erkenntnisse zu gewinnen. Bei memetis möchten wir diese Entwicklungen unterstützen, indem wir kompakte, zuverlässige und hochintegrierte Fluidik-Subsysteme bereitstellen.
Was erhoffen Sie sich von GENESIS 26 in Bezug auf interdisziplinäre und unterschiedliche Innovationsökosystemen?
Oßmer: Mich interessiert besonders, wo derzeit die zukunftsweisendsten Innovationen in den Life-Science-Technologien entstehen und wie fortschrittliche Fluidiklösungen diese unterstützen können. Und natürlich freue ich mich auf viele inspirierende interdisziplinäre Gespräche und potenzielle Kooperationen.
Business Development Spezialistin Dr. Anna Vidina von memetis. Bild: memetis
Zu den Personen
Der studierte Physiker und promovierte Maschinenbauer Dr. Hinnerk Oßmer ist Mitgründer und Geschäftsführer von memetis. Ihn begeistert vor allem, wie intelligente Materialien und Ingenieurtechnik im kleinsten Maßstab neue technologische Möglichkeiten über Branchen hinweg eröffnen – von industriellen Systemen bis hin zu zukünftigen biomedizinischen Plattformen. Anna Vidina ist Business Development Spezialistin der memetis GmbH. Mit ihrem Hintergrund in Biomedizin und der kommerziellen Assay-Entwicklung verbindet sie Life-Science-Anwendungen mit intelligenten Ingenieurlösungen, um die nächste Generation von Forschungs-, Diagnostik- und Medizingeräten zu gestalten.
Über memetis
Die memetis GmbH entwickelt ultra-kompakte, energieeffiziente Fluidiksteuerungssysteme für die nächste Generation von Life-Science-Geräten. Das Unternehmen entwickelt und produziert FGL-basierte Mikroventile sowie vollständig integrierte Fluidik-Subsysteme mit Manifolds, Pumpen, Sensoren und Steuerelektronik für präzise und skalierbare Bioanwendungen.

Das Interview führte Joachim Klaehn

Event-Details
GENESIS 26 The LIFE SCIENCE TECH DAY
Thema:
„Entwicklung der nächsten Generation von Plattformen für Krankheitsmodellierung und Wirkstofftests“ (Engineering Next‒Generation Platforms for Disease Modeling and Drug Screening)
Hinweis:
GENESIS 26 The LIFE SCIENCE TECH DAY wird in englischer Sprache stattfinden
Wann?
Donnerstag, 12. März 2026 (9.30 17.00 Uhr)
Wo?
FRAUENBAD im Alten Hallenbad von Heidelberg, Bergheimer Straße 45, 69115 Heidelberg
Teilnahmegebühr:
70,00 Euro
Ansprechpartner:
Dr. Reza Taale, Cluster Manager, Tel.: +49 (0) 157 806 444 92, E‒Mail: reza.taale@innovationlab.de

Dr. Kerstin Zyber‒Bayer
Senior Manager Strategic Marketing & Communications
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